Schritte zur Abrüstung - die Kampagne im Jahr 2003

Bekanntlich fand im März und April 2003 Krieg der USA gegen den Irak statt. Die vielfältigen Antikriegsaktionen forderten unsere Kräfte und unsere Aufmerksamkeit.

Nach einer Atem- und internen Diskussionspause wurde die Aktion "Rüstungshaushalt Senken!" zur Schwerpunktaktion der Kampagne im Herbst 2003 gestaltet. Ein Element war die Protestpostkarte, die an Bundeskanzler Schröder adressiert war. Das andere Element war eine E-mail- Aktion an Bundestagsabgeordnete und an die Vorsitzenden verschiedener Ausschüsse des deutschen Bundestages.

Protestpostkarte

"Wir fordern konkrete Schritte zur Abrüstung und eine Friedens- und Sicherheitspolitik mit zivilen Mitteln. Setzen sie sich dafür ein, dass der Rüstungshaushalt um mindestens 5 % pro Jahr gesenkt und das eingesparte Geld für soziale Leistungen, eine sinnvolle Energiepolitik und Entwicklungshilfe eingesetzt wird." (Auszug aus dem Text der Protestpostkarte)

Diese Postkarte wurde verschiedenen Zeitschriften beigeheftet bzw. beigelegt (ca. 120 000 Stück). Weitere 40 000 Stück wurden von verschiedenen Gruppen der DFG-VK, anderen Friedensgruppen und einzelnen FriedensaktivistInnen bestellt und weiterverteilt.

Die Streuung dieser Protestpostkarte fiel genau in die zeit, als täglich in den Massenmedien von Haushaltsdefizit, Steuersenkung und Reformen, Reformen... die Rede war. Unter diesem Deckmantel wurden die Kürzungen im Sozialbereich vorbereitet, die derzeit die Gemüter erhitzen.

Wie viele dieser Karten wurden tatsächlich ausgefüllt und abgeschickt? Darüber können wir nur spekulieren, vom Bundeskanzleramt haben wir keine Informationen erhalten.

564 Personen haben die mit der Protestpostkarte verbundene Bestellkarte an die Bundesgeschäftsstelle zurückgeschickt. 498 haben die Forderung nach "Schritten zur Abrüstung" unterstützt, 132 haben weitere Postkarten bestellt, 61 haben alle oder einige der Faltblätter bestellt, die in den letzten Jahren im Rahmen der Kampagne erarbeitet wurden.

Bewertung

Diese wenigen Zahlen mögen nicht sonderlich beeindruckend erscheinen - sie zeigen vielmehr, wie schwer es ist, mit einer Kampagne Resonanz zu erzielen, die nicht auf ein gerade aktuelles Thema aufspringt, die nicht mit dem Zeitgeist schwimmt, sondern gegen diesen, und die nicht von den Medien oder einem großen Sponsor unterstützt wird. Die Bewertung dieser Kampagnenarbeit muß auch vor dem Hintergrund erfolgen, daß die Friedensbewegung in der BRD seit der Mitte der 80er Jahre keine gemeinsamen Schwerpunkte und Kampagnen entwickelt hat - abgesehen von den allfälligen Antikriegsaktivitäten. Auch die Gruppen und Landesverbände der DFG-VK haben in den 90er Jahren keine gemeinsamen Aktivitäten entfaltet. Von daher ist es ein Fortschritt, daß 20 Gruppen der DFG-VK aus 7 Landesverbänden in größerem oder kleinerem Umfang die Protestpostkarte bestellt und verteilt haben. Genauso wichtig ist, daß die DFG-VK nicht nur in der Friedensbewegung als politisch aktive Organisation wahrgenommen wird, sondern mit der Aktion auch Medien erreicht hat, die nicht der Friedensszene zuzuordnen sind (z.B. Kölner Stadtrevue, "Lift" Stuttgart, "Marabou" Bochum.)

Konzept der Kampagne

Aus der Einschätzung heraus, daß wir kurzfristig nicht zu wirksamen Aktivitäten in der Lage sind, und vor dem Hintergrund der Erfahrung, daß die aktuell orientierten Kampagnen der Friedensbewegung der 90er Jahre gescheitert oder im Sande verlaufen sind, ist die Kampagne "Schritte zur Abrüstung" langfristig angelegt. Wir haben im Verlauf von zwei bis drei Jahren eine Grundstruktur und Materialien erarbeitet. Wir sind in der Lage, einmal jährlich eine bundesweite Aktionen durchzuführen. Wir können InteressentInnen und UnterstützerInnen mit Informationen und Aktionsmaterialien versorgen, und versuchen, sie zur Mitarbeit und Unterstützung zu motivieren. Mit dem Gerüst und Konzept einer Kampagne, das wir jetzt erarbeitet haben, können wir viele einzelne Aktivitäten zusammenfassen und bündeln.

Homepage und Internet

Zu Beginn der Postkartenaktion wurde die Homepage gründlich überarbeitet und aktualisiert. In knapp zwei Monaten gab es etwa 2000 Zugriffe auf die Seite, einige Beiträge im Diskussionsforum und ein erhebliches Anwachsen der Einträge für die Online-Unterstützung der Kampagne.

Anschließend ließen wir Internetseiten recherchieren, die man mit einer E-Mail auf unsere Seite und den Beginn der Postkartenaktion aufmerksam machen konnte, verbunden mit der Bitte, unsere Homepage als Link auf der eigenen Seite zu platzieren. Durch diese Recherche erhielten wir viele Mailadressen, die jetzt für weitere Aktionen zur Verfügung stehen. All diese Adressen wurden sodann mit einer Standardmail beschickt, deren kurzer Text um Unterstützung und Verlinkung bat. Unmittelbare Antworten auf die Mail gingen nur sehr wenige ein, konkrete Anfragen waren fast gar nicht darunter. Es fragt sich, ob tatsächlich wenige Reaktionen kamen oder ob die Adressaten gleich die Homepage aufgerufen haben und Anfragen bzw. Bestellungen direkt von dort an die Bundesgeschäftsstelle gerichtet haben. Entweder geht die Postkarte an die Bundesgeschäftsstelle oder an den Kanzler. Selbst die Zugriffe auf die Homepage können schwer zugeordnet werden: Kamen sie hauptsächlich aufgrund der Mailaktion, durch die Beilegung der Karten in den Zeitschriften oder durch eigene Mitglieder zustande? Bei einigen stichprobenartigen Besuchen der Homepages der angemailten Gruppen konnten wir allerdings feststellen, dass nur ein kleiner Teil einen Link zu unserer Seite gesetzt hat (maximal 10%).

Über die Homepage haben im Zeitraum Oktober-November 2003 50 Personen die Forderungen unterstützt und 161 Personen Materialien bestellt. Die Betreuung und Weiterentwicklung der Homepage wird im wesentlichen ehrenamtlich geleistet.

Thomas Rödl, Kampagnenbeauftragter der DFG-VK